Julian Dörr_DASBINICH.001

I’m not there

Eines vorweg: Ich hasse es, Texte über mich selbst zu schreiben. Weil ich den Sinn darin nicht sehe. In meinen Texten soll es nicht um mich gehen, sondern um Geschichten, um Konflikte, um Personen. Menschen, die meist nicht ich sind. Denn so viele erzählenswerte Geschichten erlebe ich nicht. Deshalb schreibe ich ja die der anderen auf. Und ein weiteres überproportional großes Ego braucht es im Journalismus sowieso nicht.

So. Bevor dieser Text aber sein Thema verfehlt, sollte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Julian. Ich bin Journalist und lebe in München. Ich bin 1,91m groß. Ich wäre gerne 1,93m groß. Warum? Ist die schönere Zahl. Ich liebe Kino, muss aber immer am äußersten Rand sitzen. Sockenpaare, die beim Waschen getrennt werden und in unterschiedlichen Waschgängen landen, treiben mich in den Wahnsinn.

Ist das interessant? Nö. Viel spannender finde ich das, was Texte über Menschen verraten. Über die Menschen, die darin vorkommen, und auch die, die sie schreiben. Vor allem, wenn sie nicht über sich selbst schreiben. Mein Ich steckt in meinen Geschichten, auch wenn sie nicht von mir selbst handeln. Und das geht uns allen so. Wer kann schon die Blase seiner oder ihrer subjektiven Wahrnehmung verlassen?

Ich glaube daran, dass die Geschichte spannender ist als ihr Autor. Immer. Sie ist größer als ihr Erzähler. Keiner hat das so konsequent umgesetzt wie der große amerikanische Geschichtenerzähler Bob Dylan. Sein Comeback-Album „Self Portrait“ begann er einst Ende der Sechziger mit dem einzigen Song seiner Karriere, auf dem seine Stimme nicht zu hören ist. Oder um es mit einem anderen Song Dylans zu sagen: I’m not there.

Achja. Eine Kolumne von mir gibt es aber trotzdem. Mit echten Geschichten. Sogar aus der Ich-Perspektive.

#irefDASBINICH
Unter #irefDASBINICH wird sich förmlich vorgestellt. Was treibt dich an, worauf stehst du, wie verbringst du deinen Tag?