Wir reisen, aber wir sind – Gott bewahre! – keine Touristen. Wir sind Kosmopoliten, die sich fremden Orten und deren Bewohnern anpassen. Das machen, essen und trinken, was Einheimische machen, essen und trinken.

Solltet ihr eine Reise nach Südtirol planen, möchte ich euch heute optimal darauf vorbereiten und euch auflisten, was ihr in Südtirol niemals machen sollt! (Wer alles schon weiß: Bravo! Und wer sich ertappt fühlt: Einfach keinem sagen und das nächste Mal direkt alles richtig machen.)

Und los geht’s. Bitte beachte:

1. Nach dem Abendessen KEINEN Cappuccino bestellen
Ja, wir sind in Italien und ja, der Kaffee schmeckt um Längen besser als Zuhause. Doch zum Kaffeegenuss gehört auch die richtige Kaffeekultur. Ein NO GO für jeden Italiener ist es, nach dem Abendessen einen Cappuccino zu bestellen. Warum? Zum einen wäre es für den Koch ein Zeichen, dass es zu wenig Essen gab und zum anderen sollte sich das gute Essen im Magen nicht mit Unmengen von warmer Milch vermischen, oder? Was immer geht: Espresso (oder mit nur einem Schuss heißer Milch, ein „Espresso Macchiato“ nicht zu verwechseln mit einem Latte Macchiato, der die Milch einer ganzen Kuh enthält und natürlich auch nicht bestellt werden soll).

2. Italienische Begriffe richtig aussprechen
Wenn wir schon dabei sind: Es liest sich „Capputschino“ und „Mackiato“. Macht heute eigentlich fast keiner mehr falsch. Unter meinen persönlichen Top 3 sind:
Falsch: „Gnotschi“ / Richtig: „Niocki“ (Gnocchi)
Falsch: „Bruschedda“ / Richtig: „Brusketta“ (Bruschetta)
Falsch: „Pino gritschio“ / Richtig: „ Pino gridscho“ (Pinot grigio)

3. Knödel niemals mit dem Messer schneiden
Kein Südtiroler würde je auf die Idee kommen, einen Knödel mit dem Messer zu schneiden. Man teilt ihn mit der Gabel. Und zwar deshalb, weil es der Köchin zeigt, dass der Knödel schön fluffig ist, also genau so, wie er sein soll.

4. Das „Weiße“ des Specks NICHT wegschneiden
Südtiroler Speck besteht in der Regel aus 2/3 rotem Fleisch und 1/3 Fett. Und genauso soll er gegessen werden, denn erst beides zusammen ergibt den typischen Geschmack. Wie bei einer Currywurst. Noch ein weiterer Tipp: den Speck immer hauchdünn aufschneiden mit einem richtig scharfen Messer (und dazu natürlich Südtiroler Schüttelbrot essen). Bon appetit!

5. Apropos Essen: Nicht über die Preise wundern
Die Südtiroler Küche vereint das Beste aus den Alpen und Italien. Gerichte sind daher oft ein Mix aus traditionellen alpinen und typischen italienischen Produkten. Der Anspruch in Südtirols Küchen ist hoch, egal ob auf einer Almhütte oder im Sterne-Restaurant. Nur die besten Produkte werden verarbeitet – und das hat seinen Preis. Doch wer einen Sportwagen fahren will, muss eben auch für gutes Motoröl etwas tiefer in die Tasche greifen.

6. Nicht immer dem Navi glauben
Südtirol grenzt an Österreich und die Schweiz und liegt mitten in den Alpen. Es gibt daher zahlreiche Pässe und Bergstraßen und so manches Navi ist da schon mal überfordert. Daher unser Tipp: Ganz old school und analog eine Straßenkarte mitnehmen. Sicher ist sicher und doppelt hält besser.

7. Mehr „dolce far niente“
Deutsche sind für ihre Pünktlichkeit, Planung und ihr Durchhaltevermögen bekannt. Ok, ein typisches Klischee, doch im Großen und Ganzen unterscheidet sie das von anderen Nationen. Vor allem von den Italienern. Die könnten sich diesbezüglich öfter mal was abschauen. Doch was Italiener in Perfektion beherrschen, ist „la dolce vita“, das süße Leben oder auch das „dolce far niente“, das süße Nichtstun. Wir empfehlen daher jedem Gast, es auch in dieser Hinsicht den Einheimischen gleichzutun: Essen intensiv und mit jedem Geschmacksnerv genießen, die Wanderstöcke links liegen lassen und abends mal ein Gläschen über den Durst trinken. Dann klappt’s auch mit den Gnotschis:)