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Jul
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“Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft” oder wie der Sport Brücken baut

Benjamin, 24 Jahre alt, studiert seit über einem Jahr in Oslo. 2013 ergriff er die Initiative und nahm Kontakt auf mit Marcus Urban (Diversity & Inclusion Coach), bekannt durch seine Biografie „Versteckspieler“ als erster geouteter Ex-Profifußballer Deutschlands – 7 Jahre vor Thomas Hitzslperger’s Coming Out. Daraufhin formte sich 2013 das heutige Team des “Vereins für Vielfalt in Sport und Gesellschaft”. Beide sind heute im Vorstand des Vereins. ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH! sprach mit beiden über das bisher Erreichte und auch über die Zukunft. 

ENOUGH is ENOUGH!: Benjamin, viele andere haben mit 22 Jahren andere Ziele als einen Verein gegen Diskriminierung zu gründen. Was hat dich damals getrieben? 

Da sind verschiedene Faktoren zusammen gekommen. Ein wichtiger war sicherlich die Unzufriedenheit mit bestimmten Vorgängen in unserer Gesellschaft. Diese ließen sich häufig auf Diskriminierung verschiedenster Art reduzieren. Zudem habe ich während meines Bachelors an der Jacobs University in einem besonderen Umfeld leben dürfen. Es war geprägt von Internationalität, verschiedenen Kulturen und dem respektvollen Umgang miteinander. Dort habe ich wohl zum ersten Mal erlebt wie bereichernd echte Vielfalt sein kann. Das wollte ich schließlich in einem größeren Kontext fortführen und da bot sich die Form des Vereins einfach an.

EiE!: Was würdest du als den größten Erfolg des Vereins bezeichnen? 

Benjamin: Das klingt jetzt nach einer Platitude, aber der größte Erfolg ist unsere tägliche Arbeit miteinander. Am Anfang waren wir drei, die die Gründung vorantrieben. Inzwischen haben wir ein Redaktionsteam, ein bundesweites Sport-Beratungsnetzwerk und viele weitere Unterstützer*innen. Uns alle eint die Überzeugung, dass der Sport eine zentrale Rolle auf dem Weg zu einer gelebten und respektvollen Vielfalt hat. Das erzeugt große Energien, obwohl wir unser operatives Geschäft über Landesgrenzen und zum Teil auch Zeitzonen hinweg bewältigen. 

Marcus: Am schönsten finde ich, dass wir aktiv sind, anstatt zu warten. Es freut mich, dass wir schon konkret Menschen ins aktive, selbstbestimmte Leben geführt haben und jetzt mitten im Sport mitten in Fällen der Coming-out-Hilfestellung sind, übrigens in Kooperation mit den Landessportbünden. Gerade helfen wir einem jungen 25jährigen Sportvereinsleiter. Was mich mit Freude erfüllt ist, dass wir sind wie wir heißen, vielfältig und im Sport, 50/ 50 Frauen und Männer ohne Frauenquote, gegründet und betreut von offen hetero- homo- und bisexuell liebenden Menschen, behindert oder nichtbehindert, 18 – 70 Jahre, 15 Fremdsprachen und diverse Glauben im Verein, jeder bringt einfach das ein was er kann, so wie er eben ist – authentisch. 

EiE!: Gab oder gibt es Probleme während eurer Arbeit? 

Benjamin: Jede Menge (lacht)! Aber als Wirtschaftswissenschaftler habe ich gelernt, diese eher als Herausforderungen zu sehen (lacht erneut). Also neben der Tatsache, dass wir uns zu selten sehen können um gemeinsam zu arbeiten, fällt auch auf, dass verschiedene Arbeitsweisen und Arbeitstempi aufeinander treffen. Einige von uns arbeiten sehr strukturiert und zielorientiert, während andere auch immer wieder Phasen des reinen Austausches benötigen. Aber das gehört bei Gruppenprojekten dazu und ich bin überzeugt, dass es unsere Arbeit am Ende bereichert, weil wir offen und kritisch miteinander umgehen können. 

MarcusInsgesamt rollt der Wagen und wie üblich gibt’s den ein oder anderen Stein zu überwinden. Das Hauptproblem ist, dass wir noch nicht so flüssig agieren, wie wir es könnten. Fahrten zum Beispiel zu unseren Beratern oder Coachings sind nicht gedeckt, sodass wir nicht unser Angebot verbreiten und nicht vor Ort auch in kleineren Städten Aktionen lancieren können. Wäre das Projekt des Berater*innen-Netzwerks beispielsweise finanziell unterstützt, könnten wir noch ganz anders durchschlagen.

EiE!: Wo geht es in Zukunft mit dem Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft hin, was sind deine Ziele?

Benjamin: Wir brauchen mehr Macherinnen und Macher. In Zukunft soll der Verein immer mehr für motivierte Menschen als Rahmen- oder Dachorganisation dienen. Wer sich im Bereich der Antidiskriminierungsarbeit engagieren möchte, findet bei uns offene Ohren. Wir können mit einiger Expertise in verschiedenen Bereichen und den vorhandenen Strukturen des Vereins bei der Umsetzung von Projekten sehr helfen. Wir alle haben zwar viele Ideen, aber oft zu wenig Zeit. Daher hoffe ich, dass wir in Zukunft mehr klar definierte Projekte unterstützen können. Es ist allerdings wichtig, dass jemand sich eindeutig für das Projekt verantwortlich fühlt und es, mit unserer Hilfe, aktiv vorantreibt. 

MarcusDie Zukunft wird gut, wenn wir viele werden, die sie aktiv gestalten. Es passiert nichts Gutes, außer man tut es. Es ist ganz einfach, alles was für Unterdrückung und Ungleichheit geschieht, ist schlecht, alles was für Freiheit und Gleichberechtigung getan wird, ist gut. Deshalb macht mit und unterstützt uns.

Auch ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH! plant bereits seit einigen Wochen eine engere Kooperation mit dem “Verein für Vielfalt”. Wir informieren Euch immer aktuell auf unserer Facebookseite über die neuesten Infos und Kampagnen – und natürlich wie gewohnt, über das Aktuellste aus aller Welt. 

Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft

„Wer sich im Verein engagieren möchte, ist herzlich willkommen! Man kann sich einfach bei Anna unter a.pleser@verein-fuer-vielfalt.de melden und alles weitere besprechen.“ Auf der Facebookseite und auf der Website kann man sich informieren und mehr über den Verein erfahren.

Wir freuen uns auf dich!