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Mai
#lebenskunst4null: Weltschmerz und trotzdem klarkommen 4|4 – Weltschmerz, Zeichen der Verbundenheit

Viele kennen das: Die Last liegt schwer auf den eigenen Schultern. Hinzu kommt noch das Unglück von Menschen in näherer oder weiterer Umgebung. Man fühlt sich platt und kraftlos. Übermächtig scheint alles Übel auf der Welt zu sein.

Doch halt! Nicht zu schwer müssen wir unsere Herzen werden lassen. Denn anders betrachtet, kann Weltschmerz auf etwas Gutes hinweisen, aber dazu später mehr. Nun zuerst einmal zu den Anfängen. Bei mir äußert sich Weltschmerz häufig dann, wenn ich mich selbst angeschlagen fühle, weil ich entweder körperlich oder geistig verletzt bin. Das „am eigenen Leib“ erfahrene Leid lässt mich sensibler werden für das Leid anderer Menschen. Es ist also wichtig festzuhalten, dass mein eigener Zustand, der durch äußere Umstände beeinflusst werden kann, ein großer Faktor ist, der mich Weltschmerz stärker und intensiver fühlen lässt.

“Das „am eigenen Leib“ erfahrene Leid lässt mich sensibler werden für das Leid anderer Menschen.”

Da ich aber selbst auch für meinen eigenen körperlichen und geistigen Zustand mitverantwortlich bin, das heißt, ich kann durch Gedanken, Einstellungen, Gewohnheiten und Zeitmanagement mich selbst beeinflussen, habe ich die Chance mir aus eigener Kraft zu helfen. Weltschmerz ist also nicht unbedingt ein Phänomen, das über mich kommt wie eine Naturkatastrophe, gegen die ich machtlos bin. Viel wichtiger noch, ich bin ihr nicht restlos ausgeliefert. Dies lässt mich Mut schöpfen, um mich aus diesem Gefühl des Weltschmerzes zu befreien.

Nun bleibt immer noch zu beantworten, warum Weltschmerz auch gut sein könnte. Er sagt etwas über den aus, der ihn verspürt und über seine Beziehung zu anderen. Wie mein Kollege Marcel schon angedeutet hat, kann Weltschmerz auch so verstanden werden, dass er auf einen Wunsch nach dem Nichtleiden aller beziehungsweise dem Wohlergehen aller hinweist. Ich würde es zusätzlich als Verbundenheit deuten. Als Beleg für die Fähigkeit, Mitgefühl zu haben und sich in andere hineinversetzen zu können. Diese Fähigkeit ist extrem wichtig. Sie versetzt uns in die Lage, Probleme lösen zu können, sie hilft uns dabei, andere zu verstehen. Sie kann uns auch auf den Weg zu der Erkenntnis führen, dass wir Menschen im Grunde alle ähnliche Sorgen, Nöte, Ängste und Bedürfnisse haben. Diese Gemeinsamkeiten und Verbundenheit wirken sehr tröstend auf mich.

“Aufgrund der positiven Selbsterkenntnis, die mit Weltschmerz verbunden sein kann, empfehle ich
diesen nicht zu verteufeln, sondern ihn an seinen rechten Platz zu verweisen,
wo er einen nicht droht in Depressionen zu reißen.”

Der Effekt wird noch verstärkt, wenn man andere Menschen kennt, die ebenfalls Weltschmerz verspüren. Man sieht, es geht nicht nur einem selbst so, man ist nicht allein. Aufgrund der positiven Selbsterkenntnis, die mit Weltschmerz verbunden sein kann, empfehle ich diesen nicht zu verteufeln, sondern ihn an seinen rechten Platz zu verweisen, wo er einen nicht droht in Depressionen zu reißen. Damit der Schmerz nicht übermächtig wird und um sich besser zu fühlen, hilft es mir immer sehr, mit Familie oder Freunden zusammen zu sein. Zum Abschluss dieses Themas mag mir gestattet sein darauf hinzuweisen, dass eine Konzentration auf die guten Dinge im Leben, allgemein und auch im Umgang mit Weltschmerz, nützlich und wünschenswert sind. Denn sie bergen das Potenzial zu immenser Motivation und Lebensfreude.

#lebenkunst4null

#lebenskunst4null ist eine fortlaufende Kolumne auf i-ref.de, in der euch vier Philosophen mit auf die Reise durch ihre Gedanken-und Gefühlswelt zum Thema Leben im 21. Jahrhundert nehmen. Alle weiteren Artikel zum Thema findet ihr hier.

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